Vielfalt
Drei verschiedene neue Rebsorten gedeihen auf unseren beiden Pachtflächen. Genau so wichtig wie die Traubenproduktion ist eine möglichst reiche Artenvielfalt, sowohl bei Pflanzen wie auch Tieren.
Der sehr zurückhaltende Mitteleinsatz beim Pflanzenschutz und gezielte Fördermassnahmen ermöglichen einen vielfältigen Lebensraum.
Drei neue Rebsorten
Im Jahr 2022 haben wir unsere beiden Rebflächen neu bestockt. Unsere Wahl fiel - in Absprache mit der Weinbaugenossenschaft Birmenstorf - auf die drei neuen Sorten Cabernet Jura (rot), Satin Noir (rot) und Sauvignac (weiss).
Cabernet Jura
Der Cabernet Jura ist eine neue Sorte, gezüchtet aus einer Kreuzung zwischen Medina und Kaberne Severnyi. Sie hat eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten. Die Traube ist walzenförmig bis konisch, die Beeren sind rund, klein bis mittelgroß und von einer gleichmäßig dicken Wachsschicht überzogen.
Satin Noir
Der Satin Noir ist eine Kreuzung zwischen Cabernet Sauvignon und resistenten Partnern. Auch der Satin Noir zeigt eine hohe Resistenz gegen Pilzkrankheiten. Die Traube ist kurz, lockerbeerig, die Beere ist eher klein, rund und hartschalig. Die Belaubung ist eher zurückhaltend und ermöglicht eine gute Durchlüftung der Traubenzone.
Sauvignac
Der Sauvignac ist eine Neuzüchtung aus Sauvignon Blanc, Riesling und einer resistenten Sorte. Auch sie zeigt eine hohe Resistenz gegen Pilzkrankheiten. Die Traube ist lockerbeerig, die Beeren sind bei Vollreife und starker Besonnung leicht rosafarben und hartschalig. Die Belaubung ähnelt der von Riesling.
Drei neue Weine
Die Weinbaugenossenschaft Birmenstorf keltert unsere Trauben zu Wein.
Cabernet Jura: Der Wein zeichnet sich durch eine sehr dunkle, rubinrote Farbe aus. Die komplexe Aromatik erinnert an Cassis, Waldfrüchte und Brombeeren. Seine gute Tanninstruktur sowie die sechsmonatige Lagerung in Holzfässern machen ihn gehaltvoll und lagerfähig.
Sauvignac: Der neu gekelterte Weisswein überrascht mit seiner fruchtigen Aromatik von Aprikosen, Äpfeln, Limetten und schwarzen Johannisbeeren. Er bring eine leichte Süsse mit sich und zeigt eine noch jugendliche Struktur.
Cuvée Noir: Der neu gekelterte Cuvée Noir setzt sich aus den drei Traubensorten Satin Noir, Cabernet Jura und Pinot Noir zusammen. Der Wein zeigt sich kräftig in Aroma und Geschmack und bringt eine intensive Farbe mit sich.
Biodiversität
Der Rebberg ist auch ein Naturgarten. Südöstlich ausgerichtet und vor der kalten Bise geschützt, geniesst er viel Sonnenlicht. Ein idealer Ort für diverse Pflanzen und Tiere.
Tiervielfalt
Die extensive Bewirtschaftung des Rebberg erlaubt es vielen Tieren, einen Lebensraum zu finden. Diese Erdkröte überwintert im kühle-feuchten Rebhüsli und freut sich im Frühling ob den reichlich gedeckten Insektentisch.
Pflanzenvielfalt
Die Gassen zwischen den Reben werden nur wechselweise gemäht. Das ermöglicht den Insekten, im hohen Gras Unterschlupf zu finden. Kleine Flächen werden derweil gar nicht oder von Hand bearbeitet. Dies ermöglicht seltenen Pflanzen wie beispielsweise dem Milchstern, sich im Rebberg anzusiedeln.
Raum für Gäste
Die händische Bewirtschaftung des Rebberg erlaubt es, auch Sitz- und Jagdplätze für Greifvögel anzubieten. Nebst Mäusebussard und Milan ist der Turmfalke ein vielgesehener Gast.
Minimaler Pflanzenschutz
In unseren Rebparzellen setzen wir ausschliesslich natürliche Pflanzenschutzmittel ein. Es sind dies Schwefel, schwefelsaure Tonerde, Chitosan und Pectin sowie Braunalgen zur Blattdüngung.
Die neuen Rebsorten bringen eine hohe Krankheitsresistenz mit sich. Die grössten Feinde der Rebe sind Pilzkrankheiten, insbesondere der Falsche Mehltau, der Echte Mehltau sowie der Schimmelpilz Botrytis. Unsre Rebsorten sind genau gegen diese Pilze teilweise oder gänzlich resistent. Dies erlaubt es, den Mitteleinsatz zum Schutz von Laub und Trauben erheblich zu reduzieren.
Die Behandlung der Pflanzen erfolgt maximal dreimal, konzentriert rund um die Blütezeit. Und dies nur, wenn der Krankheitsdruck auf Grund der Wetterverhältnisse erhöht ist. Alle verwendeten Pflanzenschutzmittel funktionieren als Haftmittel, dringen also nicht in die Pflanze ein. Auf die Verwendung von Kupfer wird zum Schutz des Bodens grundsätzlich verzichtet.
Nebst einer Resistenz gegen Pilzkrankheiten bringen die neuen Rebsorten auch weitere, wachstumsbedingte Vorteile mit sich. So sind die Trauben lockerbeerig (weniger Fäulnisgefahr) und die Laubwand ist von Grund sehr luftdurchlässig, was das Abtrocknen der Blätter beschleunigt und so wiederum die Ansiedlung von Pilzen erschwert.
Gerade bei schwierigen Wetterbedingungen bringt der zurückhaltende Mitteleinsatz meist einen erheblichen Ernteausfall. Dieser wird jedoch mit Blick auf den Naturschutz in Kauf genommen, zumal wir - das Winzern ist ein Hobby - wirtschaftlich nicht vom Ertrag aus dem Traubenverkauf abhängig sind.